Donnerstag, 8. Juli 2010

Der erste Kontakt und die Uni ...

So where to start ...

In den letzten 3 Tagen ist so viel passiert, dass ich gar nicht wirklich weiß, wie ich das alles aufschreiben soll :-)

Also erstmal haben wir am Dienstag unseren ersten Kapstädter kennengelernt! Er ist mit einer Amerikanerin befreundet (Nadine), die auch hier im Haus wohnt und heißt Nabeel. Wir haben ihn gefragt, ob er vielleicht weiß, wo und wie wir am besten an ein Auto kommen und er hat uns Drive Africa empfohlen. Die verkaufen Autos mit der Garantie sie nachher für etwas weniger wieder zurückzukaufen. Wie der Zufall es so wollte, hat Nabeel uns angeboten uns in seinem Auto mitzunehmen und uns ein bisschen herumzufahren, was wir natürlich dankend angenommen haben. Wir sind dann mehr oder weniger zufällig an dem Geschäftssitz von Drive Africa vorbeigekommen und haben eben angehalten, um uns zu informieren. Der Inhaber ist sogar Deutscher, was das Ganze einfacher machte. Wir haben uns dann aber doch dagegen entschieden, weil es uns zu teuer war (etwas über 2000 Euro). Danach ging es mit Nabeel nach Observatory, was quasi das internationale Viertel in Kapstadt ist, wo die meisten Austauschstudenten und so wohnen. Wir haben uns ein nettes Café gesucht und Nabeel zum Dank erstmal ein Cider ausgegeben. Immerhin hat er bei Drive Africa einfach ne halbe Stunde rumgehangen und gewartet, bis wir alles geklärt hatten, obwohl er uns erst ein paar Stunden kannte. Beim Gespräch im Café ging es dann um alles Mögliche ... seine Familie, südafrikanische Politik, was er so macht usw. Es stellte sich dann heraus, dass er doch tatsächlich auch auf die UWC geht und da grade seinen Master macht. Er hat uns dann versprochen uns ein paar netten Leuten vorzustellen und uns quasi "einzuführen" ;-) Es ist einfach Wahnsinn, wie das alles zusammenpasst. Dann hat er uns in der Nähe unserer Wohnung wieder abgesetzt und wir sind was essen gegangen und dann in eine Bar Fußball gucken. Nabeel ist in der Zwischenzeit mit einem Freund anlässlich dessen Geburtstags 1kg Rippchen essen gegangen. Nachher hat er uns nach der ersten Halbzeit wieder abgeholt, weil die Atmosphäre in dem Laden wo wir waren nicht so toll war und wir haben mit Nadine und ihm woanders die zweite Hälfte geguckt. Einfach toll, wie offen und nett der Kerl ist.

Am Mittwoch war der erste Tag in der Uni, wo wir mit dem Zug hingefahren sind (Dank Nabeel und Nadine, die uns erklärt haben, wie's geht und wie wir dahin kommen). Wir mussten um 9 Uhr morgens da sein und sind dann etwa gegen halb 7 aufgestanden, mit einem Taxi/Minibus zum Bahnhof gefahren und von da aus mit dem Zug zur Uni. Das mit den Taxis funktioniert hier folgendermaßen: Einmal gibt es normale Taxis (Cabs), wie bei uns, mit Taxameter usw. und es gibt asiatische Kleinbusse (Taxis), meistens Toyota oder Mitsubishi, mit 12-16 Sitzplätzen, die mehr oder weniger auf festen Routen verkehren und auf Zuruf anhalten um Fahrgäste  aufzunehmen oder rauszulassen.

Im Zug haben wir dann Robert aus Rotterdam getroffen, der ebenfalls zur Einführungsveranstaltung in die Uni wollte und dieses Semester dort Jura studiert. Sehr netter und offener Typ trotz seines Studiengangs :-D Der Zug fährt etwa 6 Stationen oder so, bis er an der Uni ankommt und die Strecke führt unter anderem an Townships vorbei, weshalb viele Leute uns gesagt haben wir sollten nicht den Zug nehmen, da es zu gefährlich sei. Das ist sowieso ein großes Problem ... jeder sagt einem in Bezug auf die Sicherheit was anderes. Der eine sagt man solle den Zug garnicht benutzen, der zweite sagt "nicht, wenn's dunkel ist", der dritte sagt man kann den Zug benutzen, aber sollte dann ein erste Klasse Ticket kaufen usw. So sieht das bei jedem Thema aus, dass irgendwie mit Sicherheit /Gefahr zu tun hat. Wenn wir uns an alles hielten, was wir gehört, oder von manchen Leuten gesagt bekommen haben, könnten wir den ganzen Tag nur zuhause sitzen und aus dem Fenster gucken ... alles andere ist potenziell gefährlich.

An der Uni angekommen mussten wir erstmal durch einen bewachten Eingang, man kommt also nicht ohne weiteres auf den Campus, der übrigens wunderschön ist. Die Uni liegt so ziemlich im Nirgendwo und man kann den Tafelberg sehen, überall sind Palmen, exotische Pflanzen, Rasenflächen, Gewässer (so dicht mit meterhohem Schilf bewachsen, dass man sie garnicht als solche erkennt), freie Plätze und außerdem eine tolle Architektur. Mir gefällt der Campus auf jeden Fall wesentlich besser als der in Dortmund.

Nach den ersten Orientierungsschwierigkeiten und einer Vergrößerung unserer Gruppe durch weitere Austauschstudenten (alle aus Norwegen oder den USA) haben wir dann das sogenannte Senate Building gefunden. Dort wartete dann die Austauschkoordinatorin Debra Lamson auf uns und das Programm ging los. Unter anderem gab es einen Vortrag/Willkommen vom Rektor der Uni, etwas zur Geschichte der Uni, jemand von Cape Town Tourism war da, ein Typ vom Sports Department usw. Leider wurde anstatt uns zu sagen, was wir wissen müssen sehr viel uninteressanter Kram erzählt und das Hauptaugenmerk schien nicht auf wichtigen Informationen für uns zu liegen, sondern darauf die Uni anzupreisen. Die Krönung des Ganzen war, dass der Typ vom Sports Department eine 20-Seitige Powerpoint Präsentation gehalten hat, deren Inhalt unter anderem das Budget des Departments war und wie es verteilt ist...
Da ich nur 5 Stunden Schlaf hatte (dem Fußball sei's gedankt), konnte ich mich am Ende dann des Sekundenschlafs kaum noch erwehren. Immerhin saßen wir im Endeffekt knappe 6 Stunden im selben Raum und mussten uns irgendwas anhören, von dem höchstens die Hälfte informativ uns sinnvoll war. Nach den ganzen Vorträgen gabs dann eine mini-Führung von ein paar Elitestudenten über den Campus, wobei wir dann Coralie getroffen haben. Nabeel hatte sie angerufen und ihr erzählt, dass sie heute zwei total coole Leute (uns) kennenlernen würde und wir haben uns sofort gut verstanden und kamen ins Gespräch. Viel zu cool, wie das alles läuft bisher, wir sind echt gesegnet.
Bei einer kleinen Raucherpause haben Lena und ich dann Drew aus den USA kennengelernt und uns am Abend mit ihm auf der Fifa Fanmeile getroffen, um uns das Spiel anzuschauen, das wir ja wie alle wissen leider verloren haben. Ich hatte aber trotzdem sau viel Spaß, weil vor und nach dem Spiel die ganze Zeit Reggae und Dancehall aufgelegt wurde :-D
Trotz des verlorenen Spiels hat sich Lena dann nachher doch von Drew's und meinem Getanze anstecken lassen und wir haben noch ne Weile getanzt, bis wir dann von der Security gebeten wurden zu gehen, weil die Fanmeile geschlossen wurde. Wir haben dann noch n kleinen Spaziergang gen zuhause gemacht, auf dem Weg ein paar Pommes gegessen und sind ins Bett.

Am zweiten Tag in der Uni (heute) ging es dann um die Einschreibung und die Auswahl der Kurse. Meine Güte war das alles konfus ... :-) Erstmal hatten wir beide unsere Portemonnaies vergessen und mussten dann nochmal zurück, dann, endlich an der Trainstation angekommen, hat die Frau am Ticketschalter Lena das Wechselgeld falsch rausgegeben und wir haben den Zug verpasst. Zusätzlich dazu hatte der nächste Zug auch noch 20 Minuten Verspätung und wir kamen also statt wie geplant um 20 vor 10 erst um halb 11 an. Wir hatten aber glücklicher Weise noch nicht wirklich was verpasst. Nachdem wir die 90 Euro Gebühren gezahlt hatten ging es dann mit einem weiteren Austauschstudenten(Jens) , der schon sein zweites Semester dort studiert und witziger Weise auch aus Deutschland kommt in Richtung Course Registration. Niemand schien irgendwas genaues zu wissen, das Computersystem funktionierte nicht, oder nur sehr langsam und es zog sich alles hin. Trotzdem haben wir es am Ende geschafft ;-) Meine Kurse sind jetzt einmal: "The TRC (Truth and Reconciliation Comission <-- wikipediert das, wenn ihr neugierig seid) and the SA past", "Decolonisation and African Literature" und "Topics in World Theatre". Den letzten Kurs habe ich allerdings nicht wegen meinen unbändigen Interesses an Theater belegt, sondern weil Nabeel sagte, dass die Dozentin total cool ist, man viele Exkursionen macht und sehr gut Südafrikaner kennenlernen kann. Nach der course registration gings dann wieder mit dem Zug nach Kapstadt rein und mit dem Minibus nach hause. Während ich angefangen habe euch weiterhin auf dem Laufenden zu halten, hat Lena Reis und Gemüse-Curry-Sosse gezaubert, wir haben gegessen, ein wenig gequatscht und nun sitze ich schon wieder hier und schreibe :-D Und nun höre ich auf, weil Henny nämlich gleich anruft! :-)



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