Montag, 26. Juli 2010

das Konzert, die Verabschiedung und der Unfall ...

Aloha Allerseits!


nachdem ich grade eine Stunde lang geschrieben habe und mein Blogeintrag sich dann in Luft aufgelöst hat, hier nur die basics:

Konzert war super!

Nadine ist wieder in Amerika und ich habe im Wakame das beste Huhn meines Lebens gegessen.

Wir hatten einen unverschuldeten Autounfall, uns gehts gut, dem Auto eigentlich auch.

Wir müssen bis zum 06.08.10 ausziehen und sind deshalb gezwungen uns ne neue Bleibe zu suchen, was sich als nicht ganz einfach gestaltet. Drückt uns die Daumen.


Auf etwaige Fragen antworte ich gerne, ich hab nur jetzt keine Lust nochmal ne Stunde zu schreiben.

Lieben Gruß,

Lukas

Freitag, 23. Juli 2010

die Neuen, mein Finger + die Säge und das Theater ...

Hallo Leute ...

Mittwoch sind wir nach der Uni mit Robert an den Strand gefahren. Es war herrlich ... 25 Grad und strahlender Sonnenschein. Wir sind so weit gefahren, dass wir einen ganz kleinen Strand quasi für uns hatten und haben uns von den großen Touristenstränden ferngehalten. Lena hat etwas Gitarre geübt und wir haben alle ein wenig gesungen ;-). Nachher ging es dann mit Robert zu uns nach Hause, wo wir mit Nadine und Nabeel zusammen Pizza gemacht haben. Die beiden sind dann um 6 Uhr morgens zu einem Roadtrip aufgebrochen. Eigentlich wollten die beiden unbedingt, dass ich auch mitkomme, aber ich konnte leider nicht, wegen Uni usw.

Achja, um der Überschrift gerecht zu werden: Ich Idiot habe mir in den Finger gesägt ... Ich wollte mein Multitool ölen, bin abgerutscht und schon war ein Stück Fleisch weg. Die Wunde ist relativ tief glaube ich, aber die Säge war so scharf, dass es nicht weh getan hat ;-) Ich bin dann ins Bad, habe die Wunde ausgewaschen, desinfiziert und dann stramm mit einem Pflaster umwickelt. Anschließend habe ich ihn ca. eine Stunde lang hochgehalten, weil ich im Kopf hatte, dass es dann eher aufhört zu bluten. Ich hoffe mal, dass das jetzt irgendwie  einfach wieder zuwächst. Ich muss den Finger auf jeden Fall ziemlich steif halten, weil die Wunde wieder aufreißt, wenn ich ihn knicke ...

 

Am Donnerstag sind 2 neue Mädels angekommen, von denen eine nur 2 Wochen bleibt, die andere 4 Monate. Ich weiß noch, dass die eine von beiden Janna heißt. Ich und mein Namensgedächtnis ... ich brauch immer ein paar Tage regelmäßigen Kontakt, um mir Namen merken zu können :-) Die, deren Namen ich vergessen habe macht hier ihr Jura-Referat. Bisher habe ich beide als nett und umgänglich erlebt.
In der Uni hätte ich eigentlich einen Vortrag über Total Theatre halten müssen, aber die Vorlesung hat sich so lange hingezogen, dass ich schon zur nächsten musste, ehe ich an der Reihe war mit vortragen. Also muss ich es dann nächste Woche machen.
Später war dann noch Theater angesagt und als Lena und ich da ankamen, kam ich mir schon ein wenig underdressed vor, aber das legte sich zum Glück, als ich den Rest der Truppe gesehen habe. Das ist total toll, alle Leute, die wir bis jetzt an der Uni kennengelernt haben und als unsere Freunde bezeichnen auch in dem Kurs sind. Der andere Deutsche Austauschstudent, Wilton, Aden, Leigh, Andriques ... sehr cool.
Das Stück war sehr witzig die meiste Zeit über ... es wurde viel mit Sprache gespielt, was mir gut gefallen hat. Es gab nur zwei Schauspieler, aber die waren richtig richtig gut! Es ging um eine Englischlehrerin in Paris und einen ihrer Schüler aus dem Kongo und, deren Beziehung zueinander. Im Laufe des Stücks kam dann heraus, dass die Englischlehrerin ihren Bruder begehrt und das auf ihren Schüler projeziert. Das Ende war sehr abrupt, was mich etwas verstört hat. Ich war, wie man auf Englisch so schön sagen kann: puzzled :-D

Nach dem Theater sind wir mit Jens zusammen noch zu einem der Norwegischen Mädels gefahren, dass Geburtstag hatte. Dort angekommen haben wir etwas getrunken und sind später dann in die Stadt zur Longstreet gefahren um ein wenig tanzen zu gehen. Leider Gottes sind wir dann im Dubliner gelandet ... jede Irische Franchise-Kneipe ist irgendwie die selbe, egal, wo man sich befindet. Später sind wir dann noch nach gegenüber ins Fiction gegangen, wo mal wieder Drum and Bass lief. Leider hat der Laden dann ne Stunde später dicht gemacht und es ging nach Hause. So gegen 5 Uhr morgens waren wir dann im Bett ...

Heute (Freitag) geht es auf das Konzert von Aden, Wilton, Leigh und Andriques nach Observatory, ins R.O.A.R. 


Zum Schluss noch ein paar Bilder ...


Wilton (links), ich und Leigh (rechts) in der Uni beim Warten auf Lena und ihren Stundenplan ;-)

Blick die Straße runter von unserem Haus aus ...

 Blick von unserer Terasse

Ich beim Pfannkuchen machen und Robert, Nadine und Nabeel beim Essen ;-)


Ich in unserem Hinterhof, Garten kann man es nicht nennen


Unser Auto und ich ...

Dienstag, 20. Juli 2010

was heute war ...

heute (Dienstag) bin ich mit Lena zum Civic Centre gefahren, um unser Auto auf uns umzumelden. Ich möchte dort definitiv kein Beamter sein ... es gibt keine Büros oder so, sondern eher kleine Kästen mit einer Glasscheibe davor. Auch die Farbgebung war eher fragwürdig mit PVC-Noppenbelag in dunkelgrau als Fußboden und rosé- und lachsfarbenen Marmorimitaten an den Wänden. Es war sehr schwierig die Dame hinter der Glasscheibe zu verstehen, weil die Scheibe keinerlei Löcher oder ähnliches besaß. Stattdessen gab es Löcher in der Scheibe zum Nachbar"büro" :-D Ich hatte Glück, dass ich noch 2 Passbilder hatte, denn Chris hat uns erzählt, dass als er seine Traffic Registration Number beantragt hat und nur 1 Passbild dabei hatte, sich herausgestellt hat, dass es nirgendwo in der Nähe die Möglichkeit gibt welche zu machen. Er musste bis zum Bahnhof laufen und dort war ein alter Mann mit einem Fotoapparat. Chris musste sich dann vor eine weiße Mauer stellen und das Foto wurde gemacht.
Die Hauptsache ist, dass wir jetzt im System erfasst sind und die ganzen Formalitäten abgeschlossen haben. Jetzt müssen wir nurnoch die Radaufhängungsgeschichte reparieren lassen und hoffen, dass das wirklich alles ist.

Lena ist dann mittags zum Strand gefahren und ich musste leider Zuhause bleiben, weil ich auf die Email-Klausur aus Dortmund warten musste, die dann Nachmittags auch tatsächlich ankam. Es war ziemlich stressig, weil dauernd irgendwas war ... Lukas wollte Einkaufen gefahren werden, Nadine kam rein und wollte quatschen, Alan stand vor der Tür, Henny hat mich angeskypt und Chris wollte Promotion-CDs gebrannt haben, die er dann heute in irgendeinem House-Club abgegeben hat (Er ist Hobby-Radio-DJ und will hier in Kapstadt mal auflegen). Nun hab ich das auch hinter mir.

Abends hat Lena Nudeln gemacht und ich habe die entsprechenden Sachen gespült. Die Wohnung ist echt nicht ausgelegt für 5 oder 6 Leute. Es gibt in der Küche im Augenblick kein heißes Wasser, der Stopfen im Spülkasten der Toilette schließt nicht richtig, es gibt nur ein Badezimmer und nur eine funktionierende Toilette und nur einen Kühlschrank, der funktioniert. Außerdem ist der Safe kaputt und es gibt leider keine Gelegenheit in der Küche mit allen gemeinsam zu essen. So etwas wie einen Aufenthaltsraum gibt es leider auch nicht, so dass immer einer sein Zimmer opfern muss. Im Augenblick ist zum Glück eines der großen Zimmer nicht belegt und wir können das als Aufenthaltsraum nutzen. Außerdem sind wohl viele Leute abgereist, ohne Adam über Mängel oder Ähnliches aufzuklären. So war es z.B. neu für ihn, dass der eine Kühlschrank defekt ist, der Spülkasten der Toilette defekt ist, die Pfannen total verbeult waren usw. Achja, was auch doof ist ist, dass es meiner Meinung nach viel zu wenig Geschirr und Besteck für alle gibt. Immerhin funktioniert der Festnetzanschluss wieder und Adam hat sich ein paar der Sachen schon angenommen. Er ist echt ein netter Kerl. Er ist aber auch clever und weiß, wie Geld zu machen ist, hat überall seine Finger drin. Seine Webseite z.B. sieht auf jeden Fall besser aus, als die Realität ;-) Nichts desto trotz ist er echt nett und hat uns bisher geholfen, wo er konnte.

Später am Abend wurde noch 'ne halbe Stunde UNO gespielt . Nun gehts ins Bett, morgen ist wieder um halb 10 Uni ;-)


Montag, 19. Juli 2010

Der Nachbar ...

Also ...

wärend Lena und Robert gestern auf den Tafelberg geklettert sind, habe ich mal bei Alan vorbeigeguckt. Als ich grade ankam war er grade mit Jason (seinem Sohn?) auf dem Weg zu einem Indischen Fastfood Restaurant und hat mir angeboten doch einfach mitzukommen. Gesagt, getan :-) Wir waren also lecker Indisch essen, ich hatte Peas, Mince & Potatoe Curry, und danach sind wir dann wieder zu Alan nach Hause gefahren. Ob Jason sein Sohn ist, oder einfach ein Freund, der bei ihm wohnt, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist er irgendwie etwas langsam. Er spricht nur sehr langsam, hat ein Gedächtnis wie ein Sieb und ist zwischendurch eingeschlafen. Von den Symptomen her könnte es vielleicht Malaria sein oder sowas, keine Ahnung.

Bei Alan angekommen haben wir den Kamin angemacht und er hat mir ein wenig afrikanische Musik gezeigt. Vieles ist aus den 60ern und 70ern aus dem Kongo, oder aus Senegal und lässt sich echt gut anhören. Was Reggae betrifft habe ich definitiv mehr Musik als Alan und er ist ganz wild darauf Musik von mir zu kopieren, nachdem ich ihm ein wenig von meiner Sammlung erzählt habe ;-) Ich freue mich auf jeden Fall auf den musikalischen Austausch. Wir haben also dann von vielleicht Nachmittags um 5 bis etwa halb 11 Abends Musik gehört und uns unterhalten. Er ist echt ein netter Zeitgenosse und kennt so einige Leute, die ich auch gerne kennen würde/gekannt hätte. Er war z.B. schonmal mit der Enkelin von Haile Selassi essen und hat auf Jamaika viele Reggae Artists kennengelernt. Unter anderem sagt er, dass er Toots von Toots and The Maytals seinen Freund nennt. Ein anderer Freund von ihm, der mittlerweile auch in Kapstadt wohnt hat früher eines der bekannteren Reggae Plattenstudios geleitet. Wir hatten eine Menge zu reden :-)

So gegen halb 11 bin ich dann wieder rüber gegangen, hab mich noch ein wenig mit Lena über ihre Tafelberg Erfahrung unterhalten und dann gings ins Bett.

Sonntag, 18. Juli 2010

Das Auto, die Uni und das Wochenende ...

Hallo allerseits ... hab ja schon längere Zeit nix mehr von mir hören lassen, hier also ein update:

Dienstag kam Adam mit dem Auto vorbei und hat uns abgeholt. Wir sind dann zu ihm gefahren um dort den Papierkram zu regeln und hatten so Gelegenheit uns mal einen südafrikanischen Vorort anzugucken. Es erinnert ein bißchen an einen amerikanischen Vorort aus dem Fernsehen, nur mit mehr Mauern und Stacheldraht und Alarmanlagen.

Was die Radaufhängung des Autos betrifft, so war es zum Glück nur ein Verschleißteil, dass man laut Adam für 50 Euro auswechseln kann. Und es eilt damit auch nicht. Adam sagte wir müssten das nur unbedingt auswechseln, wenn wir nicht mehr nur in Kapstadt herumfahren, sondern z.B. über die Grenze nach Namibia oder so wollen, wo die Straßen weniger gut befestigt sind. Adam hat uns übrigens versichert, dass wenn er es sich im Moment leisten könnte, er das Auto gekauft hätte. Er hat nämlich einige Autos, um die an seine Gäste zu vermieten.

Nachdem wir den Papierkram und so hinter uns hatten, haben wir uns auf den Rückweg begeben und wieder einmal hätten wir wohl ohne mein iPhone einige Schwierigkeiten gehabt vor Einbruch der Dunkelheit unseren Weg nach Hause zu finden ;-)

Wir haben die frisch gewonnene Mobilität dann direkt genutzt, um Drew zu uns einzuladen und später wieder nach Hause (Mowbray) zu fahren. 

Am Mittwoch war wieder Uni und es ist ziemlich Krass, was da pro Kurs von einem erwartet wird. Wie sich jetzt herausgestellt hat, haben die anderen Studenten wohl schon in ihren Semesterferien Literatur für die jeweiligen Kurse gelesen. Das verunsichert mich ein bißchen, weil ich nicht wirklich weiß, wie ich das jetzt während des laufenden Semesters noch nachholen soll. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Die Dozenten meinten ich sollte mir keine Sorgen machen und einfach anfangen zu lesen....

Donnerstag fand dann das erste Mal der "Topics in World Theatre" Kurs statt. Die Dozentin ist eine ausgewanderte Deutsche namens Mikki und total nett. In den nächsten Wochen werden wir mehrere Exkursionen ins Theater machen und uns diverse Stücke angucken. Als erstes sehen wir am Donnerstag glaube ich "The girl in the yellow dress" im Baxter Theatre. Danach ein Stück namens "Karoo Moose" und das dritte weiß ich gerade nicht. Am Ende des Kurses wird irgendwie erwartet, dass wir als Gruppe selber ein Theaterstück auf die Beine stellen, also inklusive allem. Bühnenbild, Technik, Darsteller, Drehbuch usw.

Total toll ist, dass ein paar der Leute, die wir auf dem Campus kennengelert haben auch in dem Kurs sind. Ihre Namen sind Wilton, Aden, Andriques und Lee. Die 4 bilden eine Band mit dem Namen "Fingers in the Sky" und haben einen Auftritt nächste Woche Freitag, den wir uns angucken wollen. (Auch, wenn es wahrscheinlich eher weniger meine bevorzugte Musikrichtung ist, sondern mehr rockig.)

Am Donnerstag Abend war ich dann spontan mit Nadine und Nabeel unterwegs. Eine Freundin von Nadine wurde 21 und wir waren erst im Buena Vista Social Café etwas essen und dann im Fiction auf einer Drum and Bass party, wo ich dann 4 Amerikaner kennengelernt habe, die mir alle eine Couch angeboten haben, sollte ich mal in den Staaten sein ;-) Es war sehr cool und so gegen halb 4 wurden wir rausgeworfen, weil der Laden zugemacht hat. Dementsprechend spät war ich im Bett. Zum Glück war das ziemlich egal, weil am Freitag eh nichts stattfand. Lena hat sich offensichtlich erkältet und lag den ganzen Tag im Bett und auch sonst war das Wetter so bescheiden, dass niemand wirklich aus dem Bett gekommen ist. Wenn den ganzen Tag keine Sonne scheint und es dementsprechend dunkel ist den ganzen Tag, macht das irgendwie schlechte Laune.

Abends sind wir mit alle Mann (Nadine, Christoph, Nabeel, Lena und ich) in ein Café gefahren, wo man Brettspiele spielen kann und währenddessen Kakao trinken, oder Kuchen essen, oder was man sonst so in einem Café macht. Allerdings war die Auswahl eher begrenzt ... es gab nur 2 Spiele, Monopoly und 30 Seconds. Wir haben dann 30 Seconds gespielt, was ein wenig schwierig war, weil man seinem Team Begriffe erklären musste, die dann erraten werden mussten. Leider war es die Südafrikanische Variante des Spiels und wenn man mehr als 2 Begriffe kannte konnte man schon froh sein :-) Danach sind wir dann in die "Zula Bar" gefahren und haben uns dort eine Südafrikanische Band angesehen (Hot Water), die zwar ganz schöne Musik gemacht hat, aber leider nicht unbedingt so, dass ich Lust gehabt hätte dazu zu tanzen.

Gestern, also am Samstag, sind Lena, Robert und ich an der Küste entlang nach Boulders Beach gefahren, um uns ein paar Pinguine anzugucken. Abgesehen von der schönen Gegend waren die Pinguine sehr witzig zu beobachten ;-)  einer hat sich direkt vor unserer Nase ein Nest gebaut. Auf dem Rückweg haben wir sogar einmal kurz einen Wal gesehen, allerdings sehr weit weg und auch nur deshalb, weil er Luft aus seinem Loch auf dem Rücken ausgeatmet hat und man den sogenannten "Blas" sehen konnte.

Zuhause angekommen habe ich Pfannluchen für 6 Leute gemacht und danach haben wir bis 2 Uhr UNO gespielt. Es  ist echt erstaunlich, wieviel Spass dieses Spiel machen kann :-D

Was heute (Sonntag) anliegt weiß ich noch nicht genau ... Lena ist mit Robert unterwegs, um auf den Tafelberg zu kraxeln und ich werde vielleicht mit Nadine und Nabeel den Lion's Head erklimmen ...

Später am Tag werde ich zu unserem Nachbarn rübergehen, den ich gestern kennengelernt habe, als wir nach dem Pinguin-Roadtrip aus dem Auto ausgestiegen sind. Er ist schon etwas älter (vielleicht 60-70), heißt  Alan und hat 30 Jahre auf Jamaica gewohnt. Er hat mich zu sich eingeladen und zeigt mir Musik ;-) Außerdem ist er bei coffeebeansroutes.com involviert. (guckt mal unter Evening Tours, sieht sehr cool aus!)

soweit mal wieder von mir ...
lasst doch auch mal hören, was bei euch so los ist ;-)

Montag, 12. Juli 2010

Braai, Wochenende und "erster Schultag"

Hallo allerseits!

Am Freitag war nix zu tun in der Uni und Adam (unser Vermieter) hat zu einem Braai in einem seiner anderen Gästehäuser eingeladen. Nachdem wir unseren neuen Mitbewohner Chris (ebenfalls aus Deutschland) kennengelernt haben sind wir dann abends nochmal zum Supermarkt gegangen und haben uns für das Braai mit Fleisch, bzw. in Lenas Fall mit vgetarischem Fleischersatz eingedeckt und haben uns zu Fuß auf den Weg gemacht. Dank meines iPhones war es auch kein Problem den Weg zu finden (ich liebe das Ding einfach ;-) ), aber wir hatten wohl die Uhrzeit falsch verstanden und die anderen waren schon beim zweiten Gang. Es waren außer Adam noch 6 andere Deutsche da, die bei der WM im Medienbereich ein Praktikum gemacht haben und wir haben uns ein wenig unterhalten.

Später kam dann der absolute Knaller: ein Bekannter von Adam, Joseph, kam vorbei und siehe da ... Joseph ist ein waschechter Rastaman aus den Townships und kommt Adam immer besuchen, wenn er grad in der Stadt zu  tun hat. Begleitet wurde er von seinem Freund und ebenfalls Rastaman "Red Beard", der so genannt wird, weil er tatsächlich einen rötlichen Bart hat und ansonsten pechschwarz ist. Natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt um ein paar Fragen über Rastafarianismus und die dahinter liegende Philosophie loszuwerden und es war echt interessant Red Beard zuzuhören. Die ersten echten Rastamänner, die ich kennengelernt hab ... man, war ich gut drauf :-D Später hat mir dann Joseph angeboten mit mir eine Township-Tour zu machen, mir anzugucken, wo und wie er lebt usw. Er lebt in einer Rastacommunity, die Marcus Garvey Community heißt und meinen Recherchen nach die größte Rastacommunity der Welt ist. Natürlich gibt es auf Jamaica, Äthiopien oder Ghana mehr Rastas, aber die größte zusammenlebende Gemeinschhaft ist offensichtlich ausgerechnet in Kapstadt. Abgesehen davon, hab ich vielleicht die Gelegenheit ein echtes Nyabinghi mitzuerleben und an einem Township-Dance teilzunehmen. Der absolute Oberhammer! Sowas habe ich höchstens in irgendwelchen BBC Dokumentationen aus den Siebzigern mal gesehen, oder davon gelesen. Wir haben dann Telefonnummern ausgetauscht und abgemacht uns an einem der nächsten Wochenenden kurz zu schließen. 
Adam hat gesagt, dass das das erste Mal ist, dass er sowas angeboten hat... vielleicht, weil ich Dreads habe. Joseph hat betont, dass es für ihn dabei keinesfalls um Geld geht, er Materialismus strikt ablehnt und sich alles um Erfahrungen geht und darum "knowledge and wisdom" miteinander zu teilen und voneinander zu lernen. Wir würden die ganze Zeit zusammenbleiben und Sicherheit ist das oberste Gebot. Das klingt zumindest so, als würde ich lebend aus den Townships zurückkommen ;-) Nichts desto Trotz werd ich sogut wie nix mitnehmen und mir ein billiges Telefon für 20 Euro kaufen und mein iPhone lieber zuhause lassen. Sicher ist sicher. Immerhin ist es das erste Mal, dass er sowas je angeboten hat und von daher hat auch noch niemand Erfahrungen damit gesammelt. Davon mal abgesehen ist es eine Erfahrung, die wohl nur wenige Menschen in meiner Situation als "reicher", weißer Europäer haben machen können und etwas komplett anderes als die Touristen-Touren für 60 Euro, die hier angeboten werden.

Nach dem Braai hat Adam uns dann gegen 1 Uhr mit seinem Auto nach Hause gefahren und wir sind alle ins Bett gefallen.

Am Samstag haben wir alle sehr lange geschlafen und ich habe Pfannkuchen zum Frühstück für Lukas (ebenfalls ein Mitbewohner), Lena und mich gemacht. Dafür musste ich am Freitag übrigens noch extra eine neue Pfanne kaufen, weil die beiden Pfannen, die hier sind, offensichtlich stundenlang auf einer heißen Platte stehen gelassen wurden und total verbeult und verzogen sind. Dank der neuen Pfanne erntete ich viel Lob für meine Pfannkuchenkünste, die ich ja auch jahrelang verfeinert habe ;-)  Nach dem "'Frühstück" sind wir alle erstaunlicherweise wieder müde ins Bett gefallen. Es ist echt unglaublich, wie schnell wir müde und erschöpft sind. Ich hab keine Ahnung, ob es an der Luft liegt, am Klima, oder daran, dass wir die ganze Zeit Englisch reden. Irgendwas sorgt auf jeden Fall dafür, dass wir nachdem wir morgens aufgestanden sind am Nachmittag oder frühen Abend hundemüde werden. Natürlich erleben wir jeden Tag ziemlich viel und bekommen neue Eindrücke, lernen neue Leute kennen, müssen uns mit der Uni rumschlagen usw., aber in Deutschland bin ich auf jeden Fall fitter als hier im Moment. Wahrscheinlich müssen wir uns noch richtig einleben ... wir sind ja erst ne Woche hier :-)
Abends sind wir dann nur kurz die Straße runter zu Bacchini's gegangen, ein italienisches Restaurant, und haben uns dort das Fußballspiel angeguckt. Hätten wir mal gegen die Spanier so schönen Fußball gespielt ...
Im Restaurant ist mir wieder klargeworden, wie gut es ist, dass ich mich mit Lena gut verstehe. Wenn ich mir überlege, wie der Aufenthalt wohl wäre, wenn dem nicht so wäre ... das würde vieles wesentlich schwieriger machen und den Aufenthalt einiges an Qualität kosten. Immerhin sind wir mehr oder weniger gezwungen fast alles immer zusammen zu machen, weil man sich alleine nicht immer überall sicher fühlen kann. Abends erst recht nicht. Letztens erst haben wir von einer Deutschen, die schon seit über einem Jahr hier ist, erzählt bekommen, dass sie überfallen wurde und ihr eine Nadel an den Hals gehalten wurde, um sicherzustellen, dass sie sich nicht wehrt und alles abgibt, was sie dabei hatte. Sehr erschreckend solche Stories, vor allem, weil SA ein massives HIV-Problem hat. Ich versuche irgendwie solche Geschichten zwar im Hinterkopf zu behalten, aber mich davon nicht beherrschen zu lassen. Was hat man schon davon in einem anderen Land und in einer anderen Kultur zu sein, wenn man auf der Straße die ganze  Zeit verkrampft ist und Angst hat.

Am Sonntag habe ich dann Englisches Frühstück gemacht mit echten Baked Beans von Heinz. Auch davon war Lena begeistert :-)
Mittags haben wir uns dann mit Robert, dem nierderländischen Austauschstudenten, an der Waterfront getroffen. Das liegt an einem Hafen und von dort aus kann man z.B. Haitauchen, Skydving machen, Bootstouren usw. Sehr touristisch aufgezogen das Ganze. Dort ist auch eine Art große shopping mall mit vielen kleinen Geschäften, Supermarkt usw. Nachdem wir ein wenig orientierungslos durch die Gegend gelaufen sind haben wir beschlossen zum Strand zu gehen. Zum ersten Mal am Meer in Kapstadt! Die Luft roch soooo gut, einfach toll. Wie Meer eben riechen muss. Obwohl es recht gefährlich sein soll dort zu surfen waren einige Leute natürlich trotzdem im Wasser und wir haben eine Weile zugesehen. Ich glaube Nabeel hat gesagt selbst im Sommer hat das Wasser nur 16 Grad und wenn wir "baden" wollen, sollten wir besser zum Indischen Ozean fahren.
Ein Blick auf die Uhr zeigte uns, dass es Zeit war sich wieder auf den Weg in die Stadt zu machen, um noch irgendwo einen Platz zu finden, wo man das Finale angucken kann. Wir beschlossen dann mit dem Taxi zu fahren und sind doch tatsächlich an eines mit einem manipulierten Taxameter geraten. Den hättet ihr mal sehen sollen ... man konnte kaum folgen, so schnell lief das Teil. Wir haben uns dann geweigert mehr als 5 Euro bis in die Stadt zu bezahlen und sind ausgestiegen.
Das Spiel haben wir schließlich im Purple Turtle geguckt, wo man 20 Rand Eintritt bezahlen musste, um überhaupt reinzukommen. Nur wegen des Finales. Die WM hat echt alles verteuert ... ich bin mal gespannt, wie sich die Stadt entwickelt, jetzt wo alles vorbei ist. Im Turtle Purple habe ich mich dann mit einem weißen Südafrikaner unterhalten, der meinte, wenn er kein local wäre, wäre er nicht im Turtle Purple. Offensichtlich hat die Bar eine miese Geschichte mit viel Kriminalität und Drogen usw. Es wird zwar seit einiger Zeit versucht das Image zu ändern, aber manches ist halt noch beim alten. Es ist aber nichts passiert und wir sind dann nach dem Spiel irgendwann gegen 1 Uhr zuhause gewesen und mal wieder halb tot ins Bett gefallen.

Der "erste Schultag" fing dann heute um 9:40 an, mit einer Vorlesung über Postcolonialism an. Wir waren allerdings sowohl zu dieser, als auch zu allen anderen Vorlesungen zu spät. Einerseits war der Zug mal wieder zu spät (es wird Zeit fürs Auto) und andererseits war Lena's Stundenplan noch nicht fertig und wir mussten dauernd von einem Sekretariat zum nächsten laufen, um noch irgendwas in Erfahrung zu bringen. Hier weiß wirklich die eine Hand häufig nicht, was die andere tut. Es ist echt verwunderlich, wie die Uni überhaupt läuft :-D Es ist weitaus weniger zentralisiert als bei uns und man kann z.B. nicht mal eben einfach online, oder in einem Vorlesungsverzeichnis nachgucken, welche Kurse wann oder wo stattfinden. Immer muss irgendjemand zu dem entsprechenden Department gehen und im Sekretariat nachfragen. Und selbst die wissen nicht immer Bescheid. Z.B. die Leute, die für die Kursregistirerung zuständig sind, haben uns teilweise Kurse angeboten, von denen wir dann im Sekretariat des English Departments erfahren haben, dass sie garnicht angeboten werden. Abgesehen von derartigen Schwierigkeiten ist deren System sowas von anders ... man nimmt wesentlich weniger Kurse, die man dann aber mehrmals die Woche hat und zu denen es ein Tutorium gibt. Sowas kenne ich von Dortmund nur von den technischen Studiengängen. Die Vorlesungen dauern auch immer nur eine Zeitstunde und nicht 90 Minuten, wie bei uns.
Trotz alledem ist bei mir jetzt bis auf ein Tutorium alles soweit geklärt und ich warte darauf, dass Normalität in meinem Unialltag einkehrt ;-) Den Xhosa Kurs, den Lena und ich aus Spaß und Interesse eigentlich noch nehmen wollten, mussten wir leider wieder abwählen, weil es entgegen der Informationen von der Kursregistration kein Anfängerkurs war. Trotzdem sind wir die erste Stunde dageblieben und wurden von der Dozentin und den Kursteilnehmern über Deutschland, unsere Motive für den Auslandsaufenthalt usw. befragt. Mir ist sofort die Ähnlichkeit von Xhosa zu Swahili aufgefallen, das ja auch eine Bantusprache ist. Mal sehen, ob wir nicht irgendeinen anderen Xhosa Kurs nehmen können ...
Später am Tag hat uns dann ein Professer vom English Department angeboten uns mit nach Hause zu nehmen, weil er in derselben Gegend wohnt wie wir, was wir natürlich dankend angenommen haben. Er hat uns sogar seine Karte gegeben und gesagt, dass es total normal ist, dass Dozenten ihre Studenten mitnehmen. Wir können ihn anrufen, wenn wir mal wieder eine Mitfahrgelegenheit brauchen und z.B. nicht mit dem Zug fahren können/wollen, weil es schon dunkel ist. Dann lässt die Sicherheit nämlich drastisch nach.

Zuhause angekommen sind wir noch zur Bank, weil wir ja die erste Hälfte des Autos bald bezahlen müssen. Achja ... , bevor ich es vergesse: Adam hat ein Auto für uns gefunden. Ein alter Mercedes 230 mit 4 Gängen, Ledersitzen und Handbremse am Amatourenbrett :-D. Ein Freund von ihm verkauft den Wagen und Adam hat ihn für uns schon auf 16000 Rand runtergehandelt, also 800 Euro pro Nase. Der Wagen muss nur noch angemeldet werden und bevor wir nach Namibia, oder sonstwohin ohne befestigte Straßen fahren wollen, muss noch irgendwas an der Radaufhängung repariert werden. Morgen kommt er und kann uns hoffentlich sagen, was das dann noch kosten würde. Immerhin ist das schon eine Menge Geld für uns und wir können es uns nicht leisten das mit nem Fehlkauf in den Sand zu setzen. Morgen weiß ich mehr ...

Heute Abend haben Nabeel und Nadine Pizza selbst gemacht und wir haben mit Lena und Lukas zusammen den ganzen Abend Uno gespielt, was echt total witzig war. So, und nu ... geh ich ins Bett! Ich bin froh, dass morgen, genau wie Freitag, keine Uni ist. Zumindest, wenn der Stundenplan sich nicht noch wieder ändert :-)

so far ...

Donnerstag, 8. Juli 2010

Der erste Kontakt und die Uni ...

So where to start ...

In den letzten 3 Tagen ist so viel passiert, dass ich gar nicht wirklich weiß, wie ich das alles aufschreiben soll :-)

Also erstmal haben wir am Dienstag unseren ersten Kapstädter kennengelernt! Er ist mit einer Amerikanerin befreundet (Nadine), die auch hier im Haus wohnt und heißt Nabeel. Wir haben ihn gefragt, ob er vielleicht weiß, wo und wie wir am besten an ein Auto kommen und er hat uns Drive Africa empfohlen. Die verkaufen Autos mit der Garantie sie nachher für etwas weniger wieder zurückzukaufen. Wie der Zufall es so wollte, hat Nabeel uns angeboten uns in seinem Auto mitzunehmen und uns ein bisschen herumzufahren, was wir natürlich dankend angenommen haben. Wir sind dann mehr oder weniger zufällig an dem Geschäftssitz von Drive Africa vorbeigekommen und haben eben angehalten, um uns zu informieren. Der Inhaber ist sogar Deutscher, was das Ganze einfacher machte. Wir haben uns dann aber doch dagegen entschieden, weil es uns zu teuer war (etwas über 2000 Euro). Danach ging es mit Nabeel nach Observatory, was quasi das internationale Viertel in Kapstadt ist, wo die meisten Austauschstudenten und so wohnen. Wir haben uns ein nettes Café gesucht und Nabeel zum Dank erstmal ein Cider ausgegeben. Immerhin hat er bei Drive Africa einfach ne halbe Stunde rumgehangen und gewartet, bis wir alles geklärt hatten, obwohl er uns erst ein paar Stunden kannte. Beim Gespräch im Café ging es dann um alles Mögliche ... seine Familie, südafrikanische Politik, was er so macht usw. Es stellte sich dann heraus, dass er doch tatsächlich auch auf die UWC geht und da grade seinen Master macht. Er hat uns dann versprochen uns ein paar netten Leuten vorzustellen und uns quasi "einzuführen" ;-) Es ist einfach Wahnsinn, wie das alles zusammenpasst. Dann hat er uns in der Nähe unserer Wohnung wieder abgesetzt und wir sind was essen gegangen und dann in eine Bar Fußball gucken. Nabeel ist in der Zwischenzeit mit einem Freund anlässlich dessen Geburtstags 1kg Rippchen essen gegangen. Nachher hat er uns nach der ersten Halbzeit wieder abgeholt, weil die Atmosphäre in dem Laden wo wir waren nicht so toll war und wir haben mit Nadine und ihm woanders die zweite Hälfte geguckt. Einfach toll, wie offen und nett der Kerl ist.

Am Mittwoch war der erste Tag in der Uni, wo wir mit dem Zug hingefahren sind (Dank Nabeel und Nadine, die uns erklärt haben, wie's geht und wie wir dahin kommen). Wir mussten um 9 Uhr morgens da sein und sind dann etwa gegen halb 7 aufgestanden, mit einem Taxi/Minibus zum Bahnhof gefahren und von da aus mit dem Zug zur Uni. Das mit den Taxis funktioniert hier folgendermaßen: Einmal gibt es normale Taxis (Cabs), wie bei uns, mit Taxameter usw. und es gibt asiatische Kleinbusse (Taxis), meistens Toyota oder Mitsubishi, mit 12-16 Sitzplätzen, die mehr oder weniger auf festen Routen verkehren und auf Zuruf anhalten um Fahrgäste  aufzunehmen oder rauszulassen.

Im Zug haben wir dann Robert aus Rotterdam getroffen, der ebenfalls zur Einführungsveranstaltung in die Uni wollte und dieses Semester dort Jura studiert. Sehr netter und offener Typ trotz seines Studiengangs :-D Der Zug fährt etwa 6 Stationen oder so, bis er an der Uni ankommt und die Strecke führt unter anderem an Townships vorbei, weshalb viele Leute uns gesagt haben wir sollten nicht den Zug nehmen, da es zu gefährlich sei. Das ist sowieso ein großes Problem ... jeder sagt einem in Bezug auf die Sicherheit was anderes. Der eine sagt man solle den Zug garnicht benutzen, der zweite sagt "nicht, wenn's dunkel ist", der dritte sagt man kann den Zug benutzen, aber sollte dann ein erste Klasse Ticket kaufen usw. So sieht das bei jedem Thema aus, dass irgendwie mit Sicherheit /Gefahr zu tun hat. Wenn wir uns an alles hielten, was wir gehört, oder von manchen Leuten gesagt bekommen haben, könnten wir den ganzen Tag nur zuhause sitzen und aus dem Fenster gucken ... alles andere ist potenziell gefährlich.

An der Uni angekommen mussten wir erstmal durch einen bewachten Eingang, man kommt also nicht ohne weiteres auf den Campus, der übrigens wunderschön ist. Die Uni liegt so ziemlich im Nirgendwo und man kann den Tafelberg sehen, überall sind Palmen, exotische Pflanzen, Rasenflächen, Gewässer (so dicht mit meterhohem Schilf bewachsen, dass man sie garnicht als solche erkennt), freie Plätze und außerdem eine tolle Architektur. Mir gefällt der Campus auf jeden Fall wesentlich besser als der in Dortmund.

Nach den ersten Orientierungsschwierigkeiten und einer Vergrößerung unserer Gruppe durch weitere Austauschstudenten (alle aus Norwegen oder den USA) haben wir dann das sogenannte Senate Building gefunden. Dort wartete dann die Austauschkoordinatorin Debra Lamson auf uns und das Programm ging los. Unter anderem gab es einen Vortrag/Willkommen vom Rektor der Uni, etwas zur Geschichte der Uni, jemand von Cape Town Tourism war da, ein Typ vom Sports Department usw. Leider wurde anstatt uns zu sagen, was wir wissen müssen sehr viel uninteressanter Kram erzählt und das Hauptaugenmerk schien nicht auf wichtigen Informationen für uns zu liegen, sondern darauf die Uni anzupreisen. Die Krönung des Ganzen war, dass der Typ vom Sports Department eine 20-Seitige Powerpoint Präsentation gehalten hat, deren Inhalt unter anderem das Budget des Departments war und wie es verteilt ist...
Da ich nur 5 Stunden Schlaf hatte (dem Fußball sei's gedankt), konnte ich mich am Ende dann des Sekundenschlafs kaum noch erwehren. Immerhin saßen wir im Endeffekt knappe 6 Stunden im selben Raum und mussten uns irgendwas anhören, von dem höchstens die Hälfte informativ uns sinnvoll war. Nach den ganzen Vorträgen gabs dann eine mini-Führung von ein paar Elitestudenten über den Campus, wobei wir dann Coralie getroffen haben. Nabeel hatte sie angerufen und ihr erzählt, dass sie heute zwei total coole Leute (uns) kennenlernen würde und wir haben uns sofort gut verstanden und kamen ins Gespräch. Viel zu cool, wie das alles läuft bisher, wir sind echt gesegnet.
Bei einer kleinen Raucherpause haben Lena und ich dann Drew aus den USA kennengelernt und uns am Abend mit ihm auf der Fifa Fanmeile getroffen, um uns das Spiel anzuschauen, das wir ja wie alle wissen leider verloren haben. Ich hatte aber trotzdem sau viel Spaß, weil vor und nach dem Spiel die ganze Zeit Reggae und Dancehall aufgelegt wurde :-D
Trotz des verlorenen Spiels hat sich Lena dann nachher doch von Drew's und meinem Getanze anstecken lassen und wir haben noch ne Weile getanzt, bis wir dann von der Security gebeten wurden zu gehen, weil die Fanmeile geschlossen wurde. Wir haben dann noch n kleinen Spaziergang gen zuhause gemacht, auf dem Weg ein paar Pommes gegessen und sind ins Bett.

Am zweiten Tag in der Uni (heute) ging es dann um die Einschreibung und die Auswahl der Kurse. Meine Güte war das alles konfus ... :-) Erstmal hatten wir beide unsere Portemonnaies vergessen und mussten dann nochmal zurück, dann, endlich an der Trainstation angekommen, hat die Frau am Ticketschalter Lena das Wechselgeld falsch rausgegeben und wir haben den Zug verpasst. Zusätzlich dazu hatte der nächste Zug auch noch 20 Minuten Verspätung und wir kamen also statt wie geplant um 20 vor 10 erst um halb 11 an. Wir hatten aber glücklicher Weise noch nicht wirklich was verpasst. Nachdem wir die 90 Euro Gebühren gezahlt hatten ging es dann mit einem weiteren Austauschstudenten(Jens) , der schon sein zweites Semester dort studiert und witziger Weise auch aus Deutschland kommt in Richtung Course Registration. Niemand schien irgendwas genaues zu wissen, das Computersystem funktionierte nicht, oder nur sehr langsam und es zog sich alles hin. Trotzdem haben wir es am Ende geschafft ;-) Meine Kurse sind jetzt einmal: "The TRC (Truth and Reconciliation Comission <-- wikipediert das, wenn ihr neugierig seid) and the SA past", "Decolonisation and African Literature" und "Topics in World Theatre". Den letzten Kurs habe ich allerdings nicht wegen meinen unbändigen Interesses an Theater belegt, sondern weil Nabeel sagte, dass die Dozentin total cool ist, man viele Exkursionen macht und sehr gut Südafrikaner kennenlernen kann. Nach der course registration gings dann wieder mit dem Zug nach Kapstadt rein und mit dem Minibus nach hause. Während ich angefangen habe euch weiterhin auf dem Laufenden zu halten, hat Lena Reis und Gemüse-Curry-Sosse gezaubert, wir haben gegessen, ein wenig gequatscht und nun sitze ich schon wieder hier und schreibe :-D Und nun höre ich auf, weil Henny nämlich gleich anruft! :-)



Montag, 5. Juli 2010

Der erste Tag ...

Hallo Leute!

Gestern gings das erste Mal in einen Supermarkt (Checkers), um sich Guthaben fürs Handy zu besorgen, Lebensmittel und was zu trinken zu kaufen, Geld abzuheben, Strom zu kaufen usw.

Jaaa, ihr habt richtig gelesen, hier gibt es prepaid Strom :D Man muss in den SevenEleven an der Ecke gehen und "power to go" verlangen, dann bekommt man einen Beleg mit einer PIN Nummer, die man dann zuhause bei so 'nem Stromkasten-Teil eingeben muss. Wenn der Zähler runtergelaufen ist, is Ende mit Strom.

Unser erster Lebensmitteleinkauf hat übrigens ca. 46 Euro gekostet ;) Die Preise hier sind auch nicht soo anders, als bei uns. Sehr angenehm ist, dass es Milch gibt, Käse, Kakao, Chips von Lays, eine Brottheke usw. Es ist also schon sehr westlich hier. Zumindest da, wo wir grade sind. Gestern abend habe ich doch sage und schreibe n Porsche gesehen und einen Mercedes SLK. Ansonsten stehen hier fast nur teure europäische Autos , wie z.B. Audi, BMW oder VW rum. Irgendwie glaubt man manchmal garnicht, dass man in Afrika ist. Es ist auf jeden Fall komplett anders, als meine Erfahrungen in Kenia.

Auch was die Sicherheit betrifft kann man in unserem Viertel hier echt nicht meckern. Gestern abend, als es schon dunkel war hat uns ein Straßenhändler namens Paul angesprochen, der Lena dann erfolgreich ein Mobilé mit aus Draht gebogenen Libellen in Deutschlandfarben verkauft hat. Wir standen keine 2 Minuten bei Paul, da kam auch schon ein netter Mann mit gelber Warnweste und Schlagstock von der neighbourhood watch und fragte, ob auch alles in Ordnung sei. Diese Typen stehen hier an jeder Ecke oder Kreuzung, vor Restaurants usw. Es muss sich also im Moment keiner Sorgen machen, dass wir nicht heile nach Hause kommen denke ich ;)

Nachdem wir abends des HAndyguthabens wegen nochmal im Supermarkt waren, sind wir wieder zu dem kleinen Restaurant/Bar gegangen, wo wir gestern schon gegessen haben. Irgendwie sind wir beide auf den Geschmack von Cider gekommen und haben uns erstmal ein paar Hunter's Dry und etwas "Caprese Tricolore" gegönnt, ehe wir dann nach hause gegangen sind. Der Mozarella hatte eine seeehr komische Konsistenz und war so fest, dass man es in Deutschland wohl kaum als Mozarella hätte durchgehen lassen :) Schmeckte aber trotzdem ganz gut.

Zuhause angekommen haben wir dann noch etwas gequatscht und uns gegenseitig Musik vorgespielt, dann gings ins Bett ;)

Sonntag, 4. Juli 2010

Was bisher geschah ....

Hallo liebe Leute!

Also ... Freitag Nacht gings los. Erstmal mitm Auto nach Frankfurt, einchecken und vorm Boarding noch ein paar Minuten Fussball gucken. Natürlich haben wir alle für Ghana gefiebert, aber leider hat es ja nicht gereicht, wie wir alle wissen. Daraufhin wurde es dann endlich Zeit um sich Richtung Gepäck- und Passkontrolle zu begeben, was wir nicht besonders enthusiastisch getan haben, da uns klar war, dass dann Abschied genommen werden muss. Die Vorfreude hielt sich ob der bevorstehenden Verabschiedung von Freunden und Familie etwas in Grenzen, aber auch diese Hürde wurde gemeistert.

Ich musste die ganze Zeit zittern, dass mein Handgepäck beim Securitycheck nicht nochmal nachgewogen wird, weil ich nämlich, dank meines Laptops und meiner vier externen Festplatten, statt 7kg Handgepäck 14kg hatte ;-) Hat aber zum Glück alles Reibungslos funktioniert.

 Ich war sehr positiv überrascht von der Entertainmentausstattung im Flugzeug. Selbst in der der Holzklasse gab es an jedem Platz einen Bildschirm und die Möglichkeit sich abgesehen von Unmengen an Filmen und Serien sogar Live Satelliten-TV zu gucken, oder Spiele zu spielen. Ich habe mich für eine Reggae CD mit entspanntem Dub entschieden und bin ins Reich der Träume geglitten .... zumindest solange, bis mir mein Steißbein vom Sitzen weh tat :-D

Irgendwann morgens um 6 kamen wir dann in Doha, Qatar an. Als ich aus dem Flugzeug in den Bus stieg, der uns zum Gate für den Anschlussflug nach Kaptadt brachte, war mir sofort klar, dass ich hier keinen Urlaub machen wollen würde. Das Klima hat einen fast erschlagen. Morgens um 6 waren es schon über 40 Grad und die Luftfeuchtigkeit war weitaus weniger angenehm, als bei euch im Moment.

Das Entertainment-System des zweiten Fluges war übrigens noch abgefahrener ... abgesehen von USB und Netzwerkanschlüssen an jedem Sitz gab es zu dem Bildschirm (diesmal ein Touchscreen) eine Fernbedienung, mit der man sowohl Spiele spielen konnte, als auch SMS oder Emails über das Flugzeug verschicken konnte. Dafür musste man nur seine Kreditkarte durch einen Schlitz der Fernbedienung ziehen.... Ich kam aber garnicht dazu mich an der tollen Technik zu erfreuen, denn neben mir saß nicht nur Lena, sondern auch eine alte Südafrikanerin namens Jossie. Jossie kam grade aus England wieder, wo sie 2 Monate ihrer Tochter mit ihrem Baby geholfen hatte. Irgendwie kamen wir ins Gespräch und nicht mehr wieder raus ... Lena war arg verwundert, dass ich so geduldig war mich die ganze Zeit mit ihr zu unterhalten, aber ich fand es spannend. Sie hat von sich und ihrer Familie erzählt, von Südafrika, der Apartheid, ihrem Glauben (der sich arg von meinem unterscheidet ;-) ) und hat uns bei etwaigen Problemen ihre Hilfe angeboten und mir ihre Telefonnummer und Emailadresse aufgeschrieben. Außerdem hat sie mir Fotos gezeigt, mir Gedichte für ihr Enkelkind von Afrikaans auf Englisch übersetzt und zu jedem Essen hat sie einen Doppelten Whisky mit Sodawasser bestellt :D. Ich nehme mal an, dass ist ein Vorteil bei einer 5-Sterne Airline, selbst, wenn es die Holzklasse ist. Sie war sehr nett, aber man merkte deutlich, dass sie zur Zeit der Apartheid groß geworden ist. Sie betonte immer wieder, dass sie keine Rassistin sei, aber man sich vor den Schwarzen in Acht nehmen sollte. Dann kamen Geschichten, wie sie im Supermarkt ihres Portemonaits geraubt worden ist (natürlich waren das Schwarze), oder eine ihrer Freundinnen eine gefälschte Uhr gekauft hat und nachher festgestellt hat, dass das Gehäuse komplett leer war. Das krasseste war auf jeden Fall, dass sie irgendwelche Verschwörungstheorien und Geschichten erzählt hat. Irgendwas von einem Anführer einer Vereinigung für den Erhalt von Afrikaans, der erschossen worden ist und einem Julius Malema, der Anführer der ANC Partei ist und die Leute dazu auffordert sogenannte Friedenslieder zu singen, die zum Inhalt haben, dass die Schwarzen alle Bauern und Weißen erschießen sollen. Außerdem hat er wohl eine Rede gehalten, in der er gesagt hat, dass nach der WM, wenn die Touristen weg sind, die Hölle losbricht und die Schwarzen sich erheben und 4 Millionen Weiße töten wollen, um gleichauf zu sein mit den Weißen. Zwischendurch benutzte Jossie auch das Wort "Kaffer", was eine fiese Beleidigung für Schwarze in SA ist und sagte, dass sie das Wort nicht mehr verwenden dürfe. Im Gegenzug dazu würden die Weißen aber auch immer noch "Buren" geschimpft, was glaube ich soviel wie Bauer auf Afrikaans heißt. Auf jeden Fall hatte ich das Gefühl, dass sie sich ungerecht behandelt fühlt, weil jetzt nach Ende der Apartheid die Schwarzen am Ruder sind und die Weißen überall verdrängen, Afrikaans abschaffen wollen und aus den Schulen verdrängen usw. 

Es war auf jeden Fall sehr spannend sich mit ihr zu unterhalten ...

Ankunft in Kapstadt

Am Flughafen angekommen haben wir erstmal auf jemanden gewartet, der ein Schild mit unseren Namen drauf hoch hält. Leider war niemand da und wir haben dann irgendwann nach ner halben Stunde und einer Zigarette bei unserem Vermieter Adam angerufen und festgestellt, dass er es wegen des Viertelfinales, für das er Karten hatte, total verplant hat uns jemanden zu schicken, der uns abholt. Also haben wir uns ein Taxi genommen und sind zur Tamboerskloof Road gefahren, wo Adam ein Guesthouse hat. Nach kurzem Warten und einem Glas Wein kam dann Adam und hat uns in unsere eigentliche Unterkunft ein paar Straßen weiter gebracht. Man kann direkt auf den Tafelberg gucken, der abends angestrahlt wird und fast aussieht wie gemalt. Auf jeden Fall sehr schön anzusehehn. 

Adam hat uns dann erstmal das Haus erklärt (Alarmanlage, Telefon, Internet usw.) und wir haben uns ein wenig eingerichtet. Adam hat uns ein wenig beruhigt, wegen der ganzen Kriminalitätsgeschichte und so und meinte das wäre alles garnicht so wild und wir würden bald feststellen, dass 98% davon nur dumme Geschichten sind, die irgendwer von irgendwem gehört hat.

Wir waren zwar beide ziemlich müde, aber nach dem gewonnen Viertelfinale fanden wir es auch irgendwie falsch ins Bett zu gehen. Also sind wir dann nochmal raus vor die Tür und haben uns was zu essen gesucht. fündig geworden sind wir dann in einem kleinen Restaurant die Straße runter, wo es eine super geile Pizza gab ... so dünnen Boden hab ich noch nie gehabt, einfach lecker! Lena hat sich einen Vegi-Burger gegönnt und wir haben Cider und Windhoek Bier aus Namibia getrunken. 

Es ist unglaublich, wie schnell es kalt wird ... das hätte ich nie gedacht. Mir war ja klar, dass hier Winter ist, aber so krass .... immerhin is das hier SÜD Afrika :D Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich entgegen den Ratschlägen meiner Ma doch die lange Unterhose eingepackt habe ;) Die Sonne geht schon recht früh unter, so gegen 7, und dann ist es stockfinster und wird schlagartig kalt. Tagsüber ist es noch ganz schön und auch warm, aber nur, wenn kein Wind geht wurde uns gesagt.

Nach dem Essen gings wieder nach Hause und ich bin wie tot ins Bett gefallen. 17 Stunden fliegen sind echt anstrengend ...

So ... das wars erstmal von mir. Vielleicht schreib ich später noch, was heute los war ;) Zumindest meine neue Telefonnummer kann ich schonmal mitteilen:

Festnetz: 0027 021 4248298
Handy: 0027 071 4078394

Auf dem Festnetz kann nur angerufen werden, ich kann nicht damit telefonieren. Für mein Handy habe ich zwar schon eine SIM-Karte, aber noch kein Guthaben oder ähnliches. Kommt vielleicht später noch. Hier haben die Läden sogar Sonntags bis 9 Uhr abends auf. Ich freue mich auf jeden Fall mal was von euch zu hören :D sucht euch einfach bei billigertelefonieren.de eine günstige Vorwahl raus. Das dürfte dann irgendwas zwischen 1 und 4 Cent die Minute kosten schätze ich mal.

so far ...

Lukas