Montag, 12. Juli 2010

Braai, Wochenende und "erster Schultag"

Hallo allerseits!

Am Freitag war nix zu tun in der Uni und Adam (unser Vermieter) hat zu einem Braai in einem seiner anderen Gästehäuser eingeladen. Nachdem wir unseren neuen Mitbewohner Chris (ebenfalls aus Deutschland) kennengelernt haben sind wir dann abends nochmal zum Supermarkt gegangen und haben uns für das Braai mit Fleisch, bzw. in Lenas Fall mit vgetarischem Fleischersatz eingedeckt und haben uns zu Fuß auf den Weg gemacht. Dank meines iPhones war es auch kein Problem den Weg zu finden (ich liebe das Ding einfach ;-) ), aber wir hatten wohl die Uhrzeit falsch verstanden und die anderen waren schon beim zweiten Gang. Es waren außer Adam noch 6 andere Deutsche da, die bei der WM im Medienbereich ein Praktikum gemacht haben und wir haben uns ein wenig unterhalten.

Später kam dann der absolute Knaller: ein Bekannter von Adam, Joseph, kam vorbei und siehe da ... Joseph ist ein waschechter Rastaman aus den Townships und kommt Adam immer besuchen, wenn er grad in der Stadt zu  tun hat. Begleitet wurde er von seinem Freund und ebenfalls Rastaman "Red Beard", der so genannt wird, weil er tatsächlich einen rötlichen Bart hat und ansonsten pechschwarz ist. Natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt um ein paar Fragen über Rastafarianismus und die dahinter liegende Philosophie loszuwerden und es war echt interessant Red Beard zuzuhören. Die ersten echten Rastamänner, die ich kennengelernt hab ... man, war ich gut drauf :-D Später hat mir dann Joseph angeboten mit mir eine Township-Tour zu machen, mir anzugucken, wo und wie er lebt usw. Er lebt in einer Rastacommunity, die Marcus Garvey Community heißt und meinen Recherchen nach die größte Rastacommunity der Welt ist. Natürlich gibt es auf Jamaica, Äthiopien oder Ghana mehr Rastas, aber die größte zusammenlebende Gemeinschhaft ist offensichtlich ausgerechnet in Kapstadt. Abgesehen davon, hab ich vielleicht die Gelegenheit ein echtes Nyabinghi mitzuerleben und an einem Township-Dance teilzunehmen. Der absolute Oberhammer! Sowas habe ich höchstens in irgendwelchen BBC Dokumentationen aus den Siebzigern mal gesehen, oder davon gelesen. Wir haben dann Telefonnummern ausgetauscht und abgemacht uns an einem der nächsten Wochenenden kurz zu schließen. 
Adam hat gesagt, dass das das erste Mal ist, dass er sowas angeboten hat... vielleicht, weil ich Dreads habe. Joseph hat betont, dass es für ihn dabei keinesfalls um Geld geht, er Materialismus strikt ablehnt und sich alles um Erfahrungen geht und darum "knowledge and wisdom" miteinander zu teilen und voneinander zu lernen. Wir würden die ganze Zeit zusammenbleiben und Sicherheit ist das oberste Gebot. Das klingt zumindest so, als würde ich lebend aus den Townships zurückkommen ;-) Nichts desto Trotz werd ich sogut wie nix mitnehmen und mir ein billiges Telefon für 20 Euro kaufen und mein iPhone lieber zuhause lassen. Sicher ist sicher. Immerhin ist es das erste Mal, dass er sowas je angeboten hat und von daher hat auch noch niemand Erfahrungen damit gesammelt. Davon mal abgesehen ist es eine Erfahrung, die wohl nur wenige Menschen in meiner Situation als "reicher", weißer Europäer haben machen können und etwas komplett anderes als die Touristen-Touren für 60 Euro, die hier angeboten werden.

Nach dem Braai hat Adam uns dann gegen 1 Uhr mit seinem Auto nach Hause gefahren und wir sind alle ins Bett gefallen.

Am Samstag haben wir alle sehr lange geschlafen und ich habe Pfannkuchen zum Frühstück für Lukas (ebenfalls ein Mitbewohner), Lena und mich gemacht. Dafür musste ich am Freitag übrigens noch extra eine neue Pfanne kaufen, weil die beiden Pfannen, die hier sind, offensichtlich stundenlang auf einer heißen Platte stehen gelassen wurden und total verbeult und verzogen sind. Dank der neuen Pfanne erntete ich viel Lob für meine Pfannkuchenkünste, die ich ja auch jahrelang verfeinert habe ;-)  Nach dem "'Frühstück" sind wir alle erstaunlicherweise wieder müde ins Bett gefallen. Es ist echt unglaublich, wie schnell wir müde und erschöpft sind. Ich hab keine Ahnung, ob es an der Luft liegt, am Klima, oder daran, dass wir die ganze Zeit Englisch reden. Irgendwas sorgt auf jeden Fall dafür, dass wir nachdem wir morgens aufgestanden sind am Nachmittag oder frühen Abend hundemüde werden. Natürlich erleben wir jeden Tag ziemlich viel und bekommen neue Eindrücke, lernen neue Leute kennen, müssen uns mit der Uni rumschlagen usw., aber in Deutschland bin ich auf jeden Fall fitter als hier im Moment. Wahrscheinlich müssen wir uns noch richtig einleben ... wir sind ja erst ne Woche hier :-)
Abends sind wir dann nur kurz die Straße runter zu Bacchini's gegangen, ein italienisches Restaurant, und haben uns dort das Fußballspiel angeguckt. Hätten wir mal gegen die Spanier so schönen Fußball gespielt ...
Im Restaurant ist mir wieder klargeworden, wie gut es ist, dass ich mich mit Lena gut verstehe. Wenn ich mir überlege, wie der Aufenthalt wohl wäre, wenn dem nicht so wäre ... das würde vieles wesentlich schwieriger machen und den Aufenthalt einiges an Qualität kosten. Immerhin sind wir mehr oder weniger gezwungen fast alles immer zusammen zu machen, weil man sich alleine nicht immer überall sicher fühlen kann. Abends erst recht nicht. Letztens erst haben wir von einer Deutschen, die schon seit über einem Jahr hier ist, erzählt bekommen, dass sie überfallen wurde und ihr eine Nadel an den Hals gehalten wurde, um sicherzustellen, dass sie sich nicht wehrt und alles abgibt, was sie dabei hatte. Sehr erschreckend solche Stories, vor allem, weil SA ein massives HIV-Problem hat. Ich versuche irgendwie solche Geschichten zwar im Hinterkopf zu behalten, aber mich davon nicht beherrschen zu lassen. Was hat man schon davon in einem anderen Land und in einer anderen Kultur zu sein, wenn man auf der Straße die ganze  Zeit verkrampft ist und Angst hat.

Am Sonntag habe ich dann Englisches Frühstück gemacht mit echten Baked Beans von Heinz. Auch davon war Lena begeistert :-)
Mittags haben wir uns dann mit Robert, dem nierderländischen Austauschstudenten, an der Waterfront getroffen. Das liegt an einem Hafen und von dort aus kann man z.B. Haitauchen, Skydving machen, Bootstouren usw. Sehr touristisch aufgezogen das Ganze. Dort ist auch eine Art große shopping mall mit vielen kleinen Geschäften, Supermarkt usw. Nachdem wir ein wenig orientierungslos durch die Gegend gelaufen sind haben wir beschlossen zum Strand zu gehen. Zum ersten Mal am Meer in Kapstadt! Die Luft roch soooo gut, einfach toll. Wie Meer eben riechen muss. Obwohl es recht gefährlich sein soll dort zu surfen waren einige Leute natürlich trotzdem im Wasser und wir haben eine Weile zugesehen. Ich glaube Nabeel hat gesagt selbst im Sommer hat das Wasser nur 16 Grad und wenn wir "baden" wollen, sollten wir besser zum Indischen Ozean fahren.
Ein Blick auf die Uhr zeigte uns, dass es Zeit war sich wieder auf den Weg in die Stadt zu machen, um noch irgendwo einen Platz zu finden, wo man das Finale angucken kann. Wir beschlossen dann mit dem Taxi zu fahren und sind doch tatsächlich an eines mit einem manipulierten Taxameter geraten. Den hättet ihr mal sehen sollen ... man konnte kaum folgen, so schnell lief das Teil. Wir haben uns dann geweigert mehr als 5 Euro bis in die Stadt zu bezahlen und sind ausgestiegen.
Das Spiel haben wir schließlich im Purple Turtle geguckt, wo man 20 Rand Eintritt bezahlen musste, um überhaupt reinzukommen. Nur wegen des Finales. Die WM hat echt alles verteuert ... ich bin mal gespannt, wie sich die Stadt entwickelt, jetzt wo alles vorbei ist. Im Turtle Purple habe ich mich dann mit einem weißen Südafrikaner unterhalten, der meinte, wenn er kein local wäre, wäre er nicht im Turtle Purple. Offensichtlich hat die Bar eine miese Geschichte mit viel Kriminalität und Drogen usw. Es wird zwar seit einiger Zeit versucht das Image zu ändern, aber manches ist halt noch beim alten. Es ist aber nichts passiert und wir sind dann nach dem Spiel irgendwann gegen 1 Uhr zuhause gewesen und mal wieder halb tot ins Bett gefallen.

Der "erste Schultag" fing dann heute um 9:40 an, mit einer Vorlesung über Postcolonialism an. Wir waren allerdings sowohl zu dieser, als auch zu allen anderen Vorlesungen zu spät. Einerseits war der Zug mal wieder zu spät (es wird Zeit fürs Auto) und andererseits war Lena's Stundenplan noch nicht fertig und wir mussten dauernd von einem Sekretariat zum nächsten laufen, um noch irgendwas in Erfahrung zu bringen. Hier weiß wirklich die eine Hand häufig nicht, was die andere tut. Es ist echt verwunderlich, wie die Uni überhaupt läuft :-D Es ist weitaus weniger zentralisiert als bei uns und man kann z.B. nicht mal eben einfach online, oder in einem Vorlesungsverzeichnis nachgucken, welche Kurse wann oder wo stattfinden. Immer muss irgendjemand zu dem entsprechenden Department gehen und im Sekretariat nachfragen. Und selbst die wissen nicht immer Bescheid. Z.B. die Leute, die für die Kursregistirerung zuständig sind, haben uns teilweise Kurse angeboten, von denen wir dann im Sekretariat des English Departments erfahren haben, dass sie garnicht angeboten werden. Abgesehen von derartigen Schwierigkeiten ist deren System sowas von anders ... man nimmt wesentlich weniger Kurse, die man dann aber mehrmals die Woche hat und zu denen es ein Tutorium gibt. Sowas kenne ich von Dortmund nur von den technischen Studiengängen. Die Vorlesungen dauern auch immer nur eine Zeitstunde und nicht 90 Minuten, wie bei uns.
Trotz alledem ist bei mir jetzt bis auf ein Tutorium alles soweit geklärt und ich warte darauf, dass Normalität in meinem Unialltag einkehrt ;-) Den Xhosa Kurs, den Lena und ich aus Spaß und Interesse eigentlich noch nehmen wollten, mussten wir leider wieder abwählen, weil es entgegen der Informationen von der Kursregistration kein Anfängerkurs war. Trotzdem sind wir die erste Stunde dageblieben und wurden von der Dozentin und den Kursteilnehmern über Deutschland, unsere Motive für den Auslandsaufenthalt usw. befragt. Mir ist sofort die Ähnlichkeit von Xhosa zu Swahili aufgefallen, das ja auch eine Bantusprache ist. Mal sehen, ob wir nicht irgendeinen anderen Xhosa Kurs nehmen können ...
Später am Tag hat uns dann ein Professer vom English Department angeboten uns mit nach Hause zu nehmen, weil er in derselben Gegend wohnt wie wir, was wir natürlich dankend angenommen haben. Er hat uns sogar seine Karte gegeben und gesagt, dass es total normal ist, dass Dozenten ihre Studenten mitnehmen. Wir können ihn anrufen, wenn wir mal wieder eine Mitfahrgelegenheit brauchen und z.B. nicht mit dem Zug fahren können/wollen, weil es schon dunkel ist. Dann lässt die Sicherheit nämlich drastisch nach.

Zuhause angekommen sind wir noch zur Bank, weil wir ja die erste Hälfte des Autos bald bezahlen müssen. Achja ... , bevor ich es vergesse: Adam hat ein Auto für uns gefunden. Ein alter Mercedes 230 mit 4 Gängen, Ledersitzen und Handbremse am Amatourenbrett :-D. Ein Freund von ihm verkauft den Wagen und Adam hat ihn für uns schon auf 16000 Rand runtergehandelt, also 800 Euro pro Nase. Der Wagen muss nur noch angemeldet werden und bevor wir nach Namibia, oder sonstwohin ohne befestigte Straßen fahren wollen, muss noch irgendwas an der Radaufhängung repariert werden. Morgen kommt er und kann uns hoffentlich sagen, was das dann noch kosten würde. Immerhin ist das schon eine Menge Geld für uns und wir können es uns nicht leisten das mit nem Fehlkauf in den Sand zu setzen. Morgen weiß ich mehr ...

Heute Abend haben Nabeel und Nadine Pizza selbst gemacht und wir haben mit Lena und Lukas zusammen den ganzen Abend Uno gespielt, was echt total witzig war. So, und nu ... geh ich ins Bett! Ich bin froh, dass morgen, genau wie Freitag, keine Uni ist. Zumindest, wenn der Stundenplan sich nicht noch wieder ändert :-)

so far ...

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